Am 12. Januar...
… hat der Gewerbeverband Fürstenfeldbruck zur Podiumsdiskussion zur Oberbürgermeisterwahl eingeladen.
Franz Höfelsauer eröffnete den Abend, moderiert wurde durch Melanie Kuhlmann.
Im Fokus standen ausdrücklich wirtschaftsnahe Fragen.
Das schlechte Wetter hat es den 150 Angemeldeten nicht einfach gemacht, aber der kleine Saal des Veranstaltungsforum Fürstenfeld war dicht besetzt.
1. Gewerbliche Entwicklung: Flächen sind der Engpass
Im ersten Block wurde schnell klar:
Die zentrale Stellschraube ist aus Sicht mehrerer Beiträge die Verfügbarkeit von Gewerbeflächen.
Carl-Magnus Bahner verbindet Flächenpolitik mit Standortkosten: Flächen ausweisen, Unternehmer aktiv ansprechen und die Gewerbesteuer als Attraktivitätsfaktor nutzen.
Markus Droth betont den Blick auf bestehende Betriebe und Nachverdichtung, konkret mit Bezug auf Hasenheide und Areale, bei denen Eigentümeransprache entscheidend sei.
Christian Götz beschreibt den Fliegerhorst als ursprünglich erwartetes Potenzial, das durch den Eigenbedarf der Bundeswehr unsicher geworden ist. Er setzt auf Verhandlungen und parallel auf Entwicklungsflächen wie Hasenheide, die im Stadtentwicklungskonzept verankert seien.
Jan Halbauer formuliert den Flächenmangel als wiederkehrendes Problem aus der Stadtratsarbeit und kritisiert eine langjährige „Alles-Fliegerhorst“-Logik.
Niklas stellt Lebensqualität und funktionierende Infrastruktur als Basis für Unternehmensansiedlung und Fachkräfte heraus, plädiert für Nachverdichtung und aktives Standortmarketing, will Gewerbeflächen in der Hasenheide ausweisen und nennt zusätzlich Entwicklungspotenziale in nördlichen Innenstadtachsen.
Martin Urban setzt auf eine offensive Ansiedlungsstrategie ohne Festlegung auf ein einziges Gewerk und nennt Hochtechnologie, Pharma und Handwerk als Zielrichtungen, inklusive der Idee eines Handwerkerhofs.
2. Innenstadt und Parkraum: Erreichbarkeit, Frequenz, Aufenthaltsqualität
Im zweiten Block wurde die Innenstadt als Wirtschaftsort vor allem über zwei Hebel diskutiert: Aufenthaltsqualität und Erreichbarkeit.
Bahner verweist auf Gespräche mit Ladenbetreibern, die weniger Parkplätze mit weniger Kundschaft verbinden. „weniger Parkplätze… weniger Kundschaft“
Droth beschreibt die Innenstadt als „Mammutaufgabe“ aus mehreren Bausteinen: Mix aus Einzelhandel, Dienstleistungen, Gastro, Veranstaltungen und Vermarktung. Zentral ist für ihn: Wenn die Ankerbetriebe verschwinden, hilft die beste Aufenthaltsqualität nicht.
Er warnt davor, bestehende Konzepte „über den Haufen“ zu schmeißen und betont die Langfristigkeit von Durchwegungen und Aufwertungslogik (Brezengasse/Innenstadt-Bebauungsplan).
Götz betont die Rolle von Veranstaltungen und Initiativen wie dem Friday Club, bleibt aber vorsichtig bei der Annahme, dass mehr Geld automatisch mehr Wirkung erzeugt. „22.000 €… nicht sicher… mit Geld… mehr Wirkung“
Halbauer argumentiert dagegen, dass der wirtschaftliche Erfolg der Innenstadt nicht am Parkplatz direkt vor dem Geschäft hänge, sondern an einem funktionierenden System: Parkplätze ja, aber gebündelt, gelenkt und kombiniert mit Aufwertung. „nicht der Parkplatz vorm Geschäft… Parkdecks“
Niklas legt den Schwerpunkt auf konzeptionelle Stadtqualität: Begrünung, sinnvolle Platzierung von Maßnahmen wie Parklets und sogar Alltagsinfrastruktur werden als Teil von Aufenthaltsqualität beschrieben. „Aufenthaltsqualität… ausbaufähig… strategische… Einsatz“
Urban setzt stark auf Anfahrbarkeit als Frequenzvoraussetzung und warnt davor, Parkplätze „wegzudiskutieren“. Gleichzeitig möchte er die Innenstadtentwicklung breiter denken und Potenziale jenseits der Hauptstraße heben. „Frequenz… nur, wenn… anfahrbar“
3. Gewerbesteuer: Erhöhung weitgehend abgelehnt, Senkung umstritten
Im dritten Block zeigte sich viel Einigkeit gegen eine Erhöhung der Gewerbesteuer, aber Unterschiede bei der Frage einer Senkung.
Bahner bringt ausdrücklich die Idee einer Senkung ein. „ob man die Gewerbesteuer nicht senken kann“
Markus Droth betont den Blick auf bestehende Betriebe und Nachverdichtung, konkret mit Bezug auf Hasenheide und Areale, bei denen Eigentümeransprache entscheidend sei.
Götz lehnt eine Erhöhung ab und begründet dies mit dem Risiko, dass mobile Gewerbe in Nachbarkommunen abwandern könnten. „Hebesatz… abwandern“
Halbauer nennt eine Erhöhung „unnötig“ und „kontraproduktiv“. „völlig unnötig… kontraproduktiv“
Niklas widerspricht der Senkungsidee mit dem Argument, dass ein niedriger Hebesatz nicht automatisch zu sozialversicherungspflichtigen Stellen führt. „Senkung… nicht… richtige Maßnahme“
Urban positioniert sich weniger über „runter oder rauf“, sondern über das Prinzip: Wenn Fürstenfeldbruck sehr hoch liegt, müsse das mit den besten Rahmenbedingungen für Unternehmen zusammenpassen. „beste Rahmenbedingungen… rechtfertigen“
Das ist...
Carl-Magnus Bahner
(FDP / Unabhängige Brucker)
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Standortattraktivität über mehr Flächenangebot plus steuerliche Entlastung und digitale Vereinfachung.
3 Kernpunkte:
- Flächen ausweisen und aktiv Ansiedlung anstoßen.
- Gewerbesteuer-Hebesatz eher senken als stabil halten.
- Verwaltung digitalisieren, damit Bürger und Unternehmen weniger Wege haben.
Das ist...
Markus Droth
(Freie Wähler)
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Bestandspflege des Mittelstands, aktive Flächenaktivierung und Verwaltungsleistung, die Genehmigungen und Bauprozesse schneller macht.
3 Kernpunkte:
- Mittelstand als Basis, breite Wirtschaftsstruktur stabilisieren.
- Gewerbliche Flächen durch gezielte Ansprache der Eigentümer erschließen, insbesondere in der Hasenheide.
- Verwaltung effizienter, Bauamt so ausstatten, dass Baugesuche zügig laufen.
Das ist...
Cristian Götz
(BBV)
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Standort stärken über Verhandlungen/Flächenmix, aktive Stadtmarke und stabile Gewerbesteuer ohne Erhöhung, flankiert durch pragmatische Zusammenarbeit mit Akteuren.
3 Kernpunkte:
- Fliegerhorst-Optionen über Verhandlungen sichern, parallel Hasenheide/ISEK nutzen.
- Keine Gewerbesteuererhöhung, Abwanderungsrisiko für mobile Gewerbe.
- Standortkommunikation als Wirtschaftsfaktor, Stadtmarke schärfen.
Das ist...
Jan Halbauer
(Bündnis 90/Die Grünen)
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Wirtschaftliche Zukunft durch Flächenrealismus, aktive Ansiedlungspolitik und Innenstadtaufwertung mit systematischem Parkraum, ohne Gewerbesteuererhöhung.
3 Kernpunkte:
- Flächenmangel als Hauptbremse, Fokus auf Stadtgebiet statt Fliegerhorst-Projektion.
- Innenstadtaufwertung und Parkraumlenkung (Parkdecks/Parkleitsystem) statt Parkplatz vor dem Laden als Leitbild.
- Digitalisierung/Bürokratieabbau als Ziel, aber Ist-Zustand in Bruck nicht dramatisieren.
Das ist...
Tim Niklas
(Die PARTEI)
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Standort über bessere Aufenthaltsqualität, konsequente Digitalisierung der Verfahren und Skepsis gegenüber Steuersenkung als Ansiedlungshebel.
3 Kernpunkte:
- Gegen Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes, weil dies aus seiner Sicht keine Jobs garantiert.
- Bürokratieabbau konkret über wiederkehrende Anträge und digitale Prozesse.
- Innenstadtqualität als Standortfaktor, „ganzheitlicher“ statt punktueller Maßnahmen (Parklets).
Das ist...
Martin Urban
CSU
Wirtschaftlicher Kurs in einem Satz:
Offensive Ansiedlungspolitik (Technologie/Handwerk), klare Erreichbarkeit der Innenstadt und eine Wirtschaftsförderung, die den hohen Hebesatz über beste Rahmenbedingungen rechtfertigt.
3 Kernpunkte:
- Branchenoffenes Anwerben, Fokus Hochtechnologie und Handwerk-Infrastruktur (z. B. Handwerkerhof).
- Innenstadtfrequenz braucht Anfahrbarkeit und Parkraum, Potenziale auch abseits Hauptstraße.
- Hoher Hebesatz verlangt Top-Rahmenbedingungen als Gegenleistung.
Kurzfazit: Worin unterscheiden sich die Kandidaten bei Wirtschaft & Standort wirklich?
Aus Sicht der wirtschaftlichen Kernthemen ist das Bild nicht „alle sagen dasselbe“, aber die Unterschiede liegen eher in den Hebeln als in den Zielen:
Flächenpolitik: Von Verhandlungsstrategie (Fliegerhorst) bis zur klaren Forderung nach aktivem Handeln im Stadtgebiet.
- Innenstadt: Spannungsfeld zwischen Parkraum als Frequenzfaktor und Aufenthaltsqualität als Standortprodukt.
- Gewerbesteuer: Erhöhung wird kaum vertreten, strittig bleibt die Senkung und die Begründungslogik dafür.
Die OB-Wahl findet am 08.03.2026 statt. Nutzen Sie die Aussagen als Grundlage, prüfen Sie Prioritäten für Betrieb, Mitarbeitende und Standort, und bilden Sie Ihr eigenes Urteil.